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White Horse Theatre

Englische Schauspielprofis begeisterten in vielen Rollen

Ein äußerst anstrengendes Bühnenprogramm bewältigte die sehr junge Schauspielergruppe der deutschlandweit bekannten White Horse Theatre Company am letzten Montag bei ihrem Gastspiel im Löninger Forum, bei dem alle Schülerinnen und Schüler der St.-Ludgeri-Realschule einmal mehr die Chance bekamen, ihre erworbenen Englischkenntnisse beim Verfolgen des Bühnengeschehens zu testen und zu erweitern. Das aus unterschiedlichen Regionen Englands stammende Quartett brachte im Laufe des Vormittags drei perfekt inszenierte Stücke mit unterschiedlichem sprachlichen Niveau auf die Bühne, wobei die Akteure immer wieder in neue Rollen schlüpften und auch das Publikum in ihr Spiel mit einbezogen.

So hatten zunächst die 5er und 6er Klassen ihren Spaß an der rasanten und zuweilen gruseligen Krimi-Komödie „The Great Detective“, in welcher der weltberühmte Smellsock Folmes einen Diebstahl und gleich zwei Morde aufzuklären hat und dabei die gespannten und amüsierten Zuschauer an der Auflösung der Fälle teilhaben lässt. Wo der Wortschatz zuweilen noch fehlte, erleichterten zahlreich eingesetzte Utensilien gepaart mit vielsagender Mimik und Gestik das Verständnis.

Konzentiert zuhören mussten die Schülerinnen und Schüler der Mittelstufe, um beim der sprachlich wesentlich anspruchsvolleren und musikbeladenen Comedy “A slap in the face“ alles verstehen zu können. Hier versuchte der von lebhaften Tagträumereien geplagte Jugendliche Alan verzweifelt, seine umschwärmte Mitschülerin Melissa für sich zu gewinnen. Dank der – selbstverständlich englischsprachigen – Tipps und Ratschläge des so geforderten Publikums gab es nach turbulenten Verwicklungen ein spätes „happy end“ für die beiden Protagonisten.

Mucksmäuschenstill war es bei den Klassen neun und zehn während der Aufführung von „Sticks and Stones“, die sich in eindrucksvoller und nachdenklicher Weise mit dem Thema Mobbing in der Schule beschäftigte. Das Verhalten der jugendlichen Zuschauer zeigt, dass dies noch immer ein aktuelles und heikles Phänomen in ihrem täglichen Umfeld darstellt. Das Stück stellt insbesondere die Verzweiflung der Opfer Tony und Ruth heraus, die schon auf dem Weg zur Schule und in den Pausen offen tyrannisiert, beleidigt oder gar beraubt und geschlagen werden. Das Stück lässt aber auch die Angreifer zu Wort kommen: Warum quälen sie ihre Mitschüler ? Oft sind es nur Äußerlichkeiten, die zum Anlass genommen werden oder weil Mitschüler „zu brav und korrekt“ sind oder die Täter einfach nur Spaß daran haben. Lehrer und Eltern können ihnen nicht helfen, und so liegt der Schwerpunkt der „Message“ auf der Mitschuld der tatenlos zusehenden und schweigenden „watchers“ (Zuschauer), wodurch die Gewalt erst ermöglicht wird.

Nach jeder Vorstellung konnten die Schüler die Akteure mit ihren Fragen löchern und interessante Dinge aus ihrem privaten oder beruflichen Leben erfahren. Auch das „Theater um den Brexit“ wurde diskutiert. Am Ende lobte das Ensemble die Schülerschaft für ihr außergewöhnlich aufmerksames Verhalten und bereitwilliges Mitmachen, bevor es mit stürmischem Applaus und einigen von Schulleiter Jens Lüken überbrachten Präsenten verabschiedet wurde.

Text: Franz-Josef Rolfes