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Musikunterricht auf bolivianische Art

Realschüler genießen Musikunterricht bolivianischer Art

Die 6. und 7. Klassen der St.-Ludgeri-Schule hatten jetzt das Glück, einmal einen ganz anderen Musikunterricht erfahren zu dürfen. Im Rahmen des Projektages „Bolivianische Musik“ konnten sie live und hautnah erleben, wie die Musikergruppe Canto Sur aus Sucre ihre Instrumente zum Klingen brachte und damit südamerikanisches Flair an der Realschule Löningen verbreitete. Den Kontakt hatte Musiklehrerin Ute Luislampe, die das Projekt vorbereitete und die Gäste ganztägig betreute, über Maria Meyer von der Friesoyther Realschule hergestellt. Im Folgenden schildert sie ihre Eindrücke über das ungewöhnliche Musikprojekt:

„Die sieben Musiker im Alter von 16 bis 63 Jahren holten sehr unterschiedliche Instrumente aus ihren Transportbehältnissen und stellten durch ihr breit gefächertes Repertoire ganz verschiedene Musikstile vor. Es reichte von traditioneller Volksmusik über Adaptionen, wie sie nur in den großen Städten Boliviens zu hören sind, bis hin zu modernen Stücken, in denen die traditionellen Instrumente mit elektronisch verstärkten kombiniert werden. So war es den Musikern möglich, die Musikgeschichte Boliviens seit der Besiedlung durch spanische Einwanderer bis heute in groben Zügen nachzuzeichnen.

Ganz nebenbei erfuhren die Schülerinnen und Schüler, dass Quechua, die Sprache der andinen Ureinwohner, ganz anders klingt als die spanische Landessprache. Das uns als Panflöte bekannte Instrument heißt beispielsweise auf Spanisch zampoña bzw. siku auf Quechua. Die begeisterten Zuhörerinnen und Zuhörer durften auch ausprobieren, wie man aus einer Siku oder einer Quena, der aus Bambusrohr oder Holz gefertigten Andenflöte, einen Ton herausbekommt. Ferner konnten das Charango, ein 5-saitiges, gitarrenähnliches Zupfinstrument, und die Zylindertrommel - genannt „Bombo“ - als typisch bolivianische Instrumente im wahrsten Sinne des Wortes „erfasst“ werden.

Auch in den modernen Stücken der Gruppe dürfen all diese Instrumente nicht fehlen, übertragen sie doch den Klang einer Jahrhunderte alten Musikkultur bis in die heutige Zeit. Hintergrund der musikpädagogischen Projekt- und Konzertreise der Gruppe Canto Sur ist das Sammeln von Spendengeldern für ihre eigentliche Arbeit in ihrer Musikwerkstatt in Sucre. Weil sie Kunst und Kultur als wesentliche Elemente der ganzheitlichen Entwicklung des Menschen bewahren wollen, unterstützen sie Kinder und Jugendliche aus schwierigen sozio-ökonomischen Verhältnissen aus den Stadtrandgebieten, indem sie ihnen den Zugang zu einer ganzheitlichen, musikbezogenen Ausbildung ermöglichen.

Ein besonderer Dank gilt daher dem Förderverein der St.-Ludgeri-Schule, der durch großzügige Spende nicht nur die Arbeit in der Musikwerkstatt unterstützt, sondern auch den Löninger Schülerinnen und Schülern einen Blick über den berühmten Tellerrand hinaus ermöglicht hat. Die Rhythmen und Lieder von Canto Sur werden ihnen gewiss in Erinnerung bleiben, und ebenso wird das Erleben außergewöhnlicher und eindrucksvoller Musikstunden bestimmt noch lange nachklingen.

 

„Gruppenbild mit Damen“: Die bolivianische Musikergruppe Canto Sur stellte sich zu einem Erinnerungsfoto vor der Realschule auf, zusammen mit Musiklehrerin Ute Luislampe (rechts) und Maria Meyer von der Friesoyther Realschule, über die der Kontakt zu den Gästen hergestellt wurde.

Die siebenköpfige Musikergruppe Canto Sur aus Bolivien begeisterte mit ihrem Spiel auf der Quena, einer aus Holz gefertigten Andenflöte.

Den Schülern wurde geduldig gezeigt, wie man einer bolivianischen Siku harmonische Tonfolgen entlocken kann.

Schüler schlüpften auch in traditionelle bolivianische Kostüme, worin Musiker früher Arbeiter unterhielten.